Chasselas-Konservatorium neu auch in Mont-sur-Rolle

14. September 2020

Zehn Jahre nach der Einrichtung des ersten Conservatoire Mondial du Chasselas durch Louis-Philippe Bovard in Rivaz wurde Anfang September 2020 in Mont-sur-Rolle das zweite Chasselas-Konservatorium im Kanton Waadt eröffnet. Federführend dabei war die Familie Paccot aus Féchy, bei der eine neue Generation das Ruder übernommen hat.

Nachdem er zusammen mit François Murisier, dem damaligen Leiter der Abteilung Weinbau/Önologie der Forschungstation in Changins (Agroscope), das Terroir eingehend studiert hatte und inspiriert durch die Arbeit der französischen Zentren, hatte Louis-Philippe Bovard 2010 die Idee, auf einer Parzelle von 3000 m2 oberhalb von Rivaz das erste Conservatoire Mondial du Chasselas einzurichten. Und heute werden im zweiten Chasselas-Konservatorium in Mont-sur-Rolle die ersten Trauben der 2017 gepflanzten Rebstöcke gelesen.

«Alles begann, als Louis-Philippe Bovard 2016 meinen Vater anrief», erinnert sich die 30-jährige Laura Paccot von der Domaine La Colombe. «Er schlug ihm vor, ein Konservatorium wie das in Rivaz einzurichten, jedoch in unserer Region, um die Ergebnisse miteinander zu vergleichen und die klimatischen und Terroir-Unterschiede zwischen Lavaux und La Côte beurteilen zu können.» Seitdem ging es noch viel weiter: «Die Arbeit am Konservatorium hat die Diskussion angeregt. Die Ergebnisse wurden validiert und gleichzeitig Qualität und geeignete Arbeitsmethoden angestrebt, sowohl angesichts des Klimawandels als auch der Entwicklung der Konsumentenvorlieben und -gewohnheiten.»

Sie leitet die Konservatoriums-Parzelle, die zum familieneigenen Rebberg gehört: Laura Paccot von der Domaine La Colombe. Bild: Marc Ducrest

Innerhalb von 30 Jahren hat sich die Wertschätzung, die den Waadtländer Weinen entgegengebracht wird in grossem Masse weiterentwickelt und damit auch die Gewohnheiten der Konsumenten. Schmackhaft mit fruchtigen Aromen – mit diesen Merkmalen sowie der Lagerfähigkeit des Chasselas wollen die selbsteinkellernden Weinbauern die Konsumenten von heute überzeugen. Seit gut 15 Jahren werden auf der Petit-Clos-Parzelle, nachdem die alten Weinstöcke herausgerissen wurden, die fünf am weitesten verbreiteten Chasselas-Typen, Fendant Roux, Giclet, Bois Rouges, Vert de la Côte und Blanchette, biodynamisch angebaut. 14 weitere Spielarten, auf die sich die Forscher derzeit konzentrieren, sind wie in Rivaz ebenfalls vertreten und werden in kurzen Reihen angebaut. Die vorteilhafte, windgeschützte Lage der Petit-Clos-Parzelle in einer Höhe von 500 m mit guter Sonneneinstrahlung ist hierfür ideal.

Louis-Philippe Bovard hatte 2010 die Idee, oberhalb von Rivaz das erste Conservatoire Mondial du Chasselas einzurichten. Bild: Marc Ducrest

Mit Hilfe der beiden Konservatorien kann nicht nur das genetische Erbe des Chasselas erhalten und seine Widerstandsfähigkeit sichergestellt werden, sondern sie würdigen auch die Diversität seiner Spielarten, fördern neue Sorten und ermutigen Winzer, diese anzubauen. Mit einer Anbaufläche von 40.000 ha weltweit wurde der Chasselas als die historische Rebsorte der Waadtländer Weinberge ausgemacht. Eine Untersuchung seiner DNA zeigte auf, dass es diese Rebsorte hier schon vor über tausend Jahren gab.

Ob nun in Rivaz oder in Mont-sur-Rolle, beide Konservatorien arbeiten eng mit den Forschern von Agroscope zusammen und stellen so eine solide Partnerschaft für den gesamten Winzerberuf dar. Im Forschungsinstitut in Pully werden nicht weniger als 373 Chasselas-Typen angebaut, zu so unterschiedlichen Forschungszwecken wie Ertrag pro Quadratmeter, Stickstoffgehalt oder Säure. Die Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten ist ebenfalls eines der sowohl für die Forscher als auch für die Weinbauern wichtigen Kriterien.

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